‚Die Menschen denken in Blöcken‘

‚Die Menschen denken in Blöcken‘

In 2017 erscheint an dieser Stelle ein Interview mit Friedrich Heusinger von Waldegg

Wir sprechen unter anderem über das Leben außerhalb der Norm und die Reaktionen anderer darauf, ausgiebig über die Merkmale hochbegabter bzw. wie in Friedrichs Fall höchstbegabter Kinder und Jugendlicher und ob sich hochbegabte Schüler im deutschen Schulsystem wiederfinden

Man muss übrigens nicht überdurchschnittlich begabt sein, um sich in unserem Schulsystem nicht wiederzufinden. Auch das haben wir inzwischen herausgefunden.

Aktuell treffen wir zufällig auf immer mehr Eltern, deren Kinder angeblich unter ADHS leiden. Diese Kinder und Jugendlichen werden medikamentös (mit Ritalin) behandelt. Sie werden ruhig gestellt. Viele Schulen fordern diese Maßnahme. Ritalin wirkt wie eine Droge. Besorgniserregend ist auch die Nachricht, dass viele höchstbegabte Kinder und Jugendliche in Psychiatrien eingewiesen werden, wenn Eltern, Schulen und Psychologen nicht weiter kommen.

Meiner Überzeugung nach brauchen diese Kinder keine Ruhigstellung, sondern die richtige Ansprache und eine differenzierte Wertschätzung. Auch dazu wird Friedrich etwas sagen und von seinen Erfahrungen in der Schule erzählen.

Soviel sei vorab verraten: Friedrich macht homeschooling, bereitet sich zusammen mit einem Privatlehrer auf das Nichtschüler-Abitur vor und geht parallel schon zur Uni.

Diskutieren können Sie/ könnt Ihr mit uns natürlich auch gern. Angaben dazu dann im kommenden Text, nach einer kleinen Sommerpause.

Typisch

Typisch

Auf den optimalen Augenblick kann ich jetzt nicht warten …

Natürlich will ich als Hb (gängige Abkürzung) nur optimale Texte abliefern, – allumfassend und dem entsprechend, was man von uns nun mal erwartet. Das allerdings lässt meine zeitliche Auslastung aktuell nicht zu. Also habe ich mich entschlossen, à la Tagebucheintrag, eine für uns typische kleine Situation zu reporten.

Gestern Abend: Norwegischkurs/ Norskkurs und ich sitze zwischen ca. 10 anderen Teilnehmern. Es kam zu einer eher machbaren Übersetzungsaufgabe. Gar nicht schwer und schon 30 Mal fehlerfrei erledigt. Nur gestern ging es nicht. Zumindest nicht auf Anhieb. Mitleidige Blicke zielten auf mich.

Ich verkniff mir jegliche Kommentare und dachte, wie so oft, wenn Ihr wüsstet (es folgt der Satire-Teil ;):

habe gerade noch im Auto, obwohl zeitlich schon ein bisschen knapp, die beiden Hör- und Sprachverständnisaufgaben ins Arbeitsbuch geschrieben, denn nur dort gibt es noch den vorsintflutlichen CD-Player, den wir dafür brauchen, – bevor ich losfuhr hatte ich noch schnell das geplante Kleid gesucht, gefunden und rausgefischt aus dem Koffer den ich mit in Rio hatte (diese Zeitverschiebung macht mich immer so langsam) woher ich gestern kam bevor ich die Mail an Dr. Hartmann, Lehrbeauftragten der Uni Frankfurt wegen Friedrich, die an Lisa/Suse/Max und die an Johanna geschrieben hatte. Letztere notiert immer so schön für mich mit, wenn ich bei Italienisch für Fortgeschrittene wichtigen Stoff verpasse, was regelmäßig der Fall ist. Ich habe Frisches eingekauft und selbstverständlich schonend gegart und nach Anfragen beim Fitnessstudio, der Hochschule für Darstellende Kunst und einem Elektriker habe ich mich noch bei Friedrichs Privatlehrer eingeloggt und Termine besprochen, die Wäsche sortiert und wegen Hotels in Grasse im Netz recherchiert, bei der Autovermietung einen Transporter reserviert und natürlich mit meinem Sohn die aktuellen politischen Ereignisse angerissen (das klingt so harmlos), trotz Komplettübermüdung.

Zwischendurch mache ich mir non-stopp Gedanken um all die wunderbaren Menschen, mit denen ich auf dem letzten ‚Arbeitsausflug‘ die Gelegenheit hatte zusammenarbeiten zu dürfen. Die zum Teil sehr tief gehenden Gespräche, die Emotionen, die dahinter stecken und die Geschichten gehen mir immer sehr nah. Manchmal vermeide ich es sogar, mich in den freien Stunden mit ihnen zu treffen, weil ich schon weiß, wie sehr mich ihre Schicksale berühren würden. Und habe ich dafür freie Kanäle? Eigentlich nicht. Es sind viele hoch Begabte unter ihnen. Interessant und charakterlich exzellent.

Zurück zu Norwegisch. Ich bin also nicht immer ein Hochleister. Unmöglich. Es ist einfach unmöglich, nach dieser Überdosis Informationen die ganzen anderthalb Stunden fehlerfrei zu absolvieren. Aber sollte ich deshalb auf Sprachunterricht verzichten? Auf gar keinen Fall!
Schließlich werde ich im nächsten Jahr viel Zeit in Norwegen verbringen. Es muss also sein. Ich will mich dort vernünftig unterhalten können.

Und was hat das alles jetzt mit dem Thema Hochbegabung zu tun?

Nein, wir sind nicht alle ständig Hochleister. Oft ist das Gegenteil der Fall und an diese typischen mitleidigen Blicke habe ich mich früh gewöhnt. Zu meiner Schulzeit war es noch viel schlimmer. Damals, als ich die Aufgaben der Lehrer nicht richtig verstand, oder fehlinterpretierte, weil sie mir zu einfach erschienen. Und als die Vielen um mich herum meine Antworten komisch, vollkommen verrückt oder äußerst dumm fanden. Ja sogar das und weitere Respektlosigkeiten. Vielleicht hatte ich mich auch schon damals intensiver für die mir wesentlich erscheinenden Fragen des Lebens interessiert. Mehr, als für die meiner Meinung nach fragwürdigen Lehrstoffinhalte.

Aber diese Einschätzungen anderer hatte ich lange verinnerlicht und darunter gelitten. Ich konnte mich nicht erklären. So lange nicht, bis ich von meiner Veranlagung erfuhr. Heute nähme ich mir wahrscheinlich nicht einmal die Zeit, um mit genau diesen Personen zu sprechen. Solche Begegnungen plus die damit verbundenen Gesprächsinhalte wären für mich schlicht nicht interessant genug.

http://www.schonausprinzip.com

Foto: Verlag Ernst Klett Sprachen GmbH, Stuttgart

The invisible 2% and How gifted people cope with their everyday life

The invisible 2% and How gifted people cope with their everyday life

Last year I had the opportunity to write an article for a german women’s magazine about my experiences belonging to a minority of only 2% with an IQ of at least 130 and more (according to the german system). What I wrote was different from what most of the readers expected. I am a very normal person who simply has another perception plus the correlating high – sensitiveness. Translated: every emotional experience, all information I get or whatever I sens feels much more intense and takes more of my concentration, according to the information processing of the norm. That made and still makes life sometimes complicating, especially when I realize that the other 98% can’t imagine how I feel.

What for one part sounds maybe unsympathetic and unnecessary to speak out openly, for the affected, once diagnosed, turns out to become a fulfilling life, finally flowing and full of new possibilities, a real lifechanging caesura. It could mean the ‚allowance‘ for being creative and unconventional, and finally to develop the self – confidence for that.

Since the article was published I had so much interesting resonance. Even on facebook from all over the world. So I decided to write in English, too. I might give answers to a lot of important questions around our predisposition, which when undiscovered can lead to a lot of different problems. What life for the gifted, especially when they still live in an inadequate system, makes so stressful is the daily achievement of necessary adaptation to the others. I am not exaggerating. It is a real challenge. Every day. In many different contexts. And some of us fail.

In the contrary to my other blog on wordpress, which contains mainly short prose, here I am planning to tell about our 2 lives. The first one deals with the experiences of my school refusing and school absent son who prepares himself for the Abitur and already goes to University (since february he is 17 and history addicted for years now) and the second one is mine, as a ‚late discovered‘ and still struggling woman in a non matching job, but positively thinking and working hard on her new perspectives.

I am so glad that in the past I could help others to understand their relatives or themselves better. To have background information about what possibly c o u l d be the reason for e.g. constant unhappiness and blockades, a depressive child or mother, drug and alcohol abuse in a family, aggressive behaviour or the very bad feeling of being isolated and, one of the worst and often experienced situations, being regularly rejected by others (even by close family members) is the beginning of a solution. To find out what the possibly undiscovered gifted brings into a flow of emotions and their normally extremely fast thinking through accepting them for what they are and what they specially need, sometimes even saves lives.

Constant under requirement and what the consequences often are, an above average high energy level and typical misunderstandings due to a lack of knowledge about us, – that is what I would like to talk about in my future texts.

But, I think I do not have to make clear that there must have been hints before, within the family history, that such a possible predisposition could be the case. Not every depression, aggression or abuse of any tranquilizing substance is ’so comparably easy‘ to explain.

I intend to write as regularly as possible and I ask for your patience should you sometimes have to wait a little longer for a new text.

Here a very interesting and detailed site, for those of you who instantly would like to get more information: http://gifted-adults.com/

http://www.schonausprinzip.com

Die unsichtbaren 2% oder wie Hochbegabte ihre Alltage erleben

Wir über uns

Wir haben schon viel erlebt im Bezug auf unsere Besonderheit, Hochbegabte zu sein und trotzdem in den meisten ‚Disziplinen‘ keine Hochleistungen zu
zeigen.

Wir, Friedrich (inzwischen 20) und ich möchten in diesem Blog über das Leben ‚ganz normaler‘ Hochbegabter berichten. Wir möchten auf unsere Art aufklären, Vorurteile aus dem Weg räumen, erzählen und vielleicht sogar helfen und unterstützen.

Wenn man zu einer Minderheit von nur 2 % der Gesellschaft gehört muss man jeden Tag eine hohe Anpassungsleistung bringen. Wir halten es für wichtig, in aller Klarheit darüber zu berichten. Sich permanent zurückzunehmen, um gegenüber seinem Umfeld möglichst bescheiden zu erscheinen, wird uns Hochbegabten nicht gerecht. Wir müssen deutlich über uns sprechen dürfen. Wir gehören in ein für uns adäquates berufliches und privates System, sonst werden wir unglücklich oder sogar krank.

Dieser Blog wird Aspekte aus einem breiten Spektrum täglicher Fragestellungen zum Thema ‚Hochbegabung‘ aufgreifen und sie anschaulich darstellen. Oft muss ich lachen, wenn mein Sohn wieder treffende Analogien zu typischen Situationen gefunden hat. Das lockert die Sache auf. Lassen Sie sich überraschen.

http://www.schonausprinzip.com